TRAILERANALYSE#2

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Trailer-Analyse zu "Humphry-Trailer (2024)"

Wie kann man eine Trailer-Analyse besser beginnen, als mit einer ganzen Mengen Symbolik? Dazu müssen wir direkt fragen: Was ist in Fable synonym mit den Helden Albions verbunden? Grummel, Grummel! Genau: Es ist die Heldengilde! Und wer am Anfang des 2024-Trailers ganz genau hinschaut, findet gleich mehrere der Heldengilden-Siegel in einer einzigen Szene.
 

Zu Anfang befinden wir uns in einer großen Halle, die nur vom Feuer eines Kamins erhellt wird. Auf dem Kamingitter prangt das Gildensiegel, unübersehbar für jeden Besucher, der sich nah genug an die prasselnde Wärme wagt; der Feuerschein selbst erhellt mehrere Bündel auf denen das Siegel prangt, und der Herr, welcher es sich auf der einzigen sichtbaren Sitzgelegenheit im ganzen Saal bequem gemacht hat, trägt eine Halskette mit – natürlich – dem Gildensiegel.

All dies lässt darauf schließen, dass die Gilde – zumindest metaphorisch gesprochen - ganz nah ist, und wenn auch schon nicht mehr bestehend, so doch zumindest als Teil der Lore dazugehörig.

Dazu passt dann auch der Herr im Sessel. Dieser wird sogleich als Humphry vorgestellt, Albions größten Helden, im Ruhestand. Humphry gehörte scheinbar einst selbst der Gilde an. Jetzt, nach dem (möglichen) Zerfall selbiger, frönt er, so scheint es auf den ersten Blick, nur mehr der Völlerei und schwelgt in lieb gewonnenen Erinnerungen.

Seine Waffe, ein Streitkolben, lehnt in der Ecke, während allerhand Fläschchen von einer Art stummen Diener, einer ihm selbst (?) nachempfundenen Apparatur, gehalten werden. Auf dem Boden liegt derweil ein leerer Teller nebst Besteck und einem umgekippten Bierkrug.

Wie bereits gesagt: Völlerei in Saus und Braus!

 

Humphry bezeichnet sich dann auch selbst als größten Helden aller Zeiten, was zumindest auf eine Menge Selbstvertrauen hindeutet. Sein Blick geht zur Wand hin, wo ein imposantes Gemälde einen jungen Humphry zeigt. Der Vergangenheits-Humphry präsentiert sich in voller Rittermontur, den Streitkolben triumphierend auf etwas abgelegt, was ein Drache oder dergleichen fabelhafte Kreatur sein könnte - wenn es nach unserem Ruheständler geht, scheint die Selbstverliebtheit scheinbar keine Grenzen zu kennen.
 

Humphry selbst ist ein komplett neuer Charakter im Fable-Kosmos. Seine Waffe, den Streitkolben, hingegen konnte der Held bereits in Fable 1 und 2 als Waffe nutzen – wohlgemerkt, nicht genau diesen Streitkolben.

Wer erinnert sich nicht „schwungvoll“ an den legendären Puppenmeister-Streitkolben, im englischen Dollmasters Mace, aus dem original Fable? Eine tolle Waffe, die noch aus den mutigsten Räuber eine flennende Heulsuse gemacht hat. Wir gehen mal davon aus, dass Humphrys´ Mace im Reboot ebenfalls nachhaltig für Eindruck sorgen wird, wenn er sie denn schwingen wird.

 

Ein äußerst wichtiges, da vermutlich storyline-relevantes Detail möchten wir nicht unerwähnt lassen. So sieht man im ersten Bildausschnitt ein weiteres Gemälde, welches etwas versetzt hinter dem Streitkolben an der Wand lehnt und bei dem ganzen Brimborium im Vordergrund leicht übersehen werden kann. Eine weibliche Person ist dort abgebildet, die aber nicht eindeutig zu erkennen ist, da das halbe Gesicht fehlt. Interessant für später: Die Frau trägt auffällige rote Kleidung, mitsamt den dazu passenden Handschuhen, und hält einen auffälligen Stab in der Hand.

 

Doch lassen wir Humphry vorerst Humphry sein, lauschen wir seiner Erzählung im Off und stürzen uns lieber geradewegs ins Getümmel.

Es geht, wider besseren Wissens, nach Bowerstone. Und was wir dort erhaschen können, scheint entweder Schloss Bowerstone selbst zu sein, oder ein stark daran angelehntes Äquivalent. Die Entwickler spielen hier mit bekannten Bildmotiven, nicht nur, aber auch um Fans der ersten Teile zu zeigen: Hier, schaut mal, dies ist Fable. Ihr werdet vieles wiederfinden, was euch bekannt vorkommt und wonach sich euer Herz sehnt.

Bowerstone selbst wirkt lebendig. Alles ist in Bewegung und die Stadt– mit seinen spätmittelalterlichen Fachwerkhäusern und den dutzenden floralen Details – sieht einfach nur traumhaft schön aus.

 

So sehen wir denn auch unsere Heldin (nachfolgend entweder Heldin oder Lily – nach der Schauspielerin Lily Nichols - genannt), wie sie lässig durch die Stadt spaziert, ihr Schwert auf den Rücken geschnallt und in ihrem bereits aus dem Dave-Trailer bekannten Outfit.

Wenn man sich die Fronten der Gebäude genauer anschaut, fallen leicht deplatziert wirkende Holzanschläge vor den Zugängen auf. Dies lässt auf ein beliebtes Feature aus den bisherigen Abenteuern hoffen: Den Erwerb und die Verwaltung von Immobilien in Hülle und Fülle.

Wir erinnern uns: In Fable 2-3 konnten wir ganze Städte in unseren Besitz übergehen lassen, dass nötige Kleingeld natürlich vorausgesetzt. Dazu sind wir an besagte Anschläge der Häuser herangetreten und haben uns per Knopfdruck zum Mieter, oder wahlweise auch Vermieter, aufgeschwungen. So wir denn wollten, konnten wir uns ein hübsches Eigenheim gönnen, welches wir sodann dekorativ einrichten und in welchen wir mit unser kleinen Familie, bestehend aus Partner und Kind, leben konnten. Sollte es tatsächlich so sein, dass uns im Reboot die selben Möglichkeiten beim Thema Housing erwarten, wie in den Vorgängern, würde dies eine Menge Fans da draußen sehr glücklich machen. Doch wie weit Playground Games mit diesem Feature letztendlich geht, das bleibt vorerst noch abzuwarten.

 

Ein anderes „Fable-Ding“ folgt im nächsten Bildausschnitt. Dort nähert sich Lily gemächlich einem adrett gekleideten Herren mit Koteletten. Der junge Herr schwärmt unserer Heldin dann auch sogleich etwas vor. Und wie er dies tut, deutet darauf hin, dass wir es hier mit einem Moral-System zu tun bekommen.

In Fable war es immer so, dass die Bewohner Albions auf unsere Taten reagiert haben. Waren wir eine gute Seele und immer freundlich zu Mann und Maus, so hat man uns nett begrüßt und mitunter sogar verehrt. Waren wir jedoch ein Satansbraten, welcher über eine Dauereintrittskarte für den Tempel der Schatten verfügte, so haben uns die Bewohner mit Häme bestraft oder sich vor Angst sogar gefürchtet.

 

Während unser junger Freund uns nun scheinbar sehr gerne hat, sieht es bei der Aristokratin mit der feschen Haube schon ganz anders aus, hat diese doch nur Spott und Häme für unsere Heldin übrig. Und weil sie uns überhaupt nicht leiden kann, hat sie kurzerhand einen Fanclub gegründet, der nur einem Ziel dient: uns zu hassen.

An beiden Charakteren wird sehr gut deutlich, dass unsere Taten die Gesellschaft um uns herum beeinflussen werden – ob zum positiven oder negativen, das liegt wohl letztendlich, wie für Fable typisch, an uns.

 

Die bereits angesprochenen Beziehungen scheinen ebenfalls „bestätigt“ zu sein. So hat unsere Lily im nächsten Ausschnitt einen Verehrer neben sich sitzen, der ihr vertraut an die Schulter fasst. Das würde gut zu einem Partnerschafts-Feature passen, nebst in die Welt gesetzten Nachwuchs.

Dieses kleine Detail könnte aber auch Teil einer Quest sein, oder wir interpretieren einfach zu viel in die Situation hinein. Interessant ist es dennoch, und lädt geradewegs zum spekulieren ein.

 

Was dann für ein besonderes Gefühl im Bauchraum sorgt – Schmetterlinge hin oder her -, ist die Kreatur, der sich Lily mit gezückten Schwert nährt. Ich habe ja bereits Playground Games auf X gefragt, ob man diese süße Kröte als Haustier halten kann - bisher aber leider noch keine Antwort erhalten. Aber Spaß bei Seite. Natürlich handelt es sich bei der Riesenkröte eher um einen der vielen Gegnertypen. Diese Szene spielt vermutlich auf eine Quest an und die Kröte ist der fiese Endboss, den es zu erlegen gilt. Möglicherweise – und dies würde mir persönlich sehr gut gefallen – können wir mit der Kröte aber auch kommunizieren, und sie entpuppt sich letztendlich als freundlich gesinnt; ja, vielleicht müssen wir sie am Ende ja gar nicht in den Teich zurückbefördern, aus dem sie ursprünglich gehüpft ist, sondern helfen ihr oder sie hilft uns – auf welche Weise auch immer. *märchenhaft träum*

 

Wir lauschen weiter Humphry, wie er die gezeigten Szenen launisch beschreibt. Sodann spannt unser Held im Ruhestand den Bogen etwas weiter an und spricht davon, dass es um Entscheidungen geht, die wir als Held treffen. Womit er auch direkt eines der zentralen Themen der Fable-Reihe in den Mund nimmt.

Die Wahl zu haben, wer wir sein, und welchen Weg wir einschlagen wollen, hat schon immer den Reiz von Fable ausgemacht. Dabei stand zuoberst die Entscheidung, ob wir einen guten oder bösen Helden spielen wollen. Dies zog sich durch das gesamte Spiel und veränderte grundlegend, wie wir die Welt, und wie die Welt uns wahrnahm.

Nehmen wir die Worte für Bare Münze– und das tun wir natürlich -, können wir davon ausgehen, dass auch das neue Fable uns die Qual der Wahl, bei den vielen kleinen, wie großen Entscheidungen, lassen wird.

 

Die Nacht ist derweil in Albion hereingebrochen. Wir befinden uns im Wald, der uns so vertraut erscheint. Würden wir uns ganz dem Augenblick hingeben, würden wir das flüstern der Bäume hören. „Sie ist hier.“, würden sie leise wispern. Und als eine dunkelhäutige Schönheit gezeigt wird, müssen wir unweigerlich an eine alte Bekannte denken, huscht uns doch umgehend der Name Whisper durch den Kopf.

Für die, die jetzt auf dem Schlauch stehen: Whisper war in Fable 1 eine Heldin der Gilde, mit der unser Spielercharakter schon sehr früh im Spiel interagieren musste, unterstützte sie uns jungen Hänfling doch bei unser Ausbildung und half uns dabei, ein wahrer Held Albions zu werden. Ihr Ende hat dann auch wieder mit unserem Helden zu tun, sind wir es doch, der über ihr Schicksal entscheidet.

Das das Schicksal Whisper jetzt ins neue Fable geführt hat, halten wir, trotz der Gedanken, die durch unseren Kopf schwirren, aber für sehr unwahrscheinlich. Immerhin dürfte einiges an In-Game-Zeit zwischen Teil 1 und 4 vergangen sein. Und selbst wenn sie sich mit Hilfe von Magie jung und lebendig gehalten haben sollte, so spricht bisher nichts dafür, dass gerade sie es ist, die es, von all den Charakteren aus dem Original, ins Reboot geschafft hat. Zumindest zeigt die Szene aber schon einmal, dass wir uns auf viele interessante Persönlichkeiten freuen dürfen.

 

Haben wir schon die recht üppige Frisur erwähnt, die dem Betrachter förmlich ins Auge springt. Ich mag mir ja schon gerne vorstellen, dass im nächsten Moment kleine Singvögel aus dem haarigen Dickicht flattern. Oder gute Feen.

Wir bleiben derweil an der Phiole hängen, die die junge Frau spielend in der Hand hält und dabei keinen Moment aus den Augen lässt. Wir spekulieren vorsorglich schon einmal auf einen Fertigkeiten-Trank, der den Helden stärker, geschickter oder weiser macht. Diese Tränke spielten bereits eine Rolle in Fable und waren, ganz rollenspiel-typisch, dazu gedacht, das Können unseres Helden zu steigern. Dazu passen dann auch die Worte „Ich bin eine Heldin. Ich sollte tun können, wonach mir ist“. Die Steigerung der Fertigkeiten, mithilfe eines Tranks, hilft dem Helden dabei, eben genau der Held zu sein, der man gerne sein möchte. Und warum sollte unsere Lily die einzige Heldin weit und breit sein, die noch nicht „zu alt für den Scheiß ist“? *zwinker zwinker*

 

Weitere Entscheidungen bahnen sich an. Es geht Schlag auf Schlag - im Trailer, wie in der Analyse.

Heldenhaft verhält sich unser nächster Charakter nicht, wie er dort vor unser Heldin am Boden kauert. Und auch in der nächsten Einstellung – dazu gleich mehr - hat es ihn wieder den Boden unter den Füßen weggezogen.

Moment mal, der kommt uns doch bekannt vor. Und tatsächlich, wir kennen den eher bodenständigen Typen - was wir gleichsam auch von der Szenerie behaupten können.

Vor einem Jahr kraxelte ein Balverine auf dem Dach des Hauses im Hintergrund herum, und bot uns damit einen ersten Blick auf eine der vielen Kreaturen Albions. Im aktuellen Video konfrontiert Lily den Herren nun mit den Worten: „Wir dachten, du kannst sie retten!“. In Lily´s Gesicht schleicht sich bei diesen Worten eine Mischung aus Verwunderung und Verbitterung.

 

Und der Mann im Gras: Der ist, wie gesagt, kein Unbekannter, begegnen wir ihn doch bereits zuvor in einer Schenke. Wir erinnern uns: Lily schnappt den - wie wir damals angenommen haben - Bürgermeister oder Statthalter einen Bierkrug vor der Nase weg. Was damals wie der Beginn einer Quest anmutet, könnte in der aktuellen Szene seine Fortsetzung finden.

Auf wen sich Lily´s Worte „Wir dachten, du kannst sie retten“ beziehen - ob vielleicht auf unsere neue Whisper, oder eine besondere Dame, zu der wir später noch kommen -, dass wissen wir derzeit noch nicht. Welches nette Detail aber faktisch für eine Bestätigung sorgt, ist wieder diese auffällige Tafel vor dem Haus. Es handelt sich dabei wieder um eine Housing-Tafel, wie wir sie bereits am Anfang des Trailers in Bowerstone erspähen konnten.

Housing also auch außerhalb der Stadt?

 

An Geld bzw. Gold sollte es unserer Heldin nicht mangeln. Und sollte dem doch einmal so sein, so kann sie sich ja als, neben ihrer Heldentätigkeit, zum Beispiel als Höhlenforscherin verdingen. Bei ihren Rundgängen unter Tage, wird es sie dann wohl auch in die Höhle aus unser nächsten Einstellung verschlagen. Kurz erblicken wir wieder unseren Serientäter, der es sich doch tatsächlich inmitten der Höhle auf dem Boden bequem gemacht hat – wenn auch vermutlich nicht der Gemütlichkeit wegen. Im Hintergrund erkennt man eine offene Metalltür, die in die Dunkelheit führt. Viel interessanter ist aber, was am Rande der Einstellung passiert – oder sollte ich lieber schreiben: passiert ist!

Da liegt doch wahrhaftig und unübersehbar ein toter Balverine, und das gerade mal einen Steinwurf von unserem Freund entfernt.
 

Humphry bringt es derweil gekonnt auf den Punkt: Es geht um Leben und Tod, so wie halt alles in der Welt nur von zwei Faktoren bestimmt wird: Leben und Tod.

Humphry ist es dann auch, der in der nächsten Einstellung einen verängstigten Mann mit seinem Streitkolben bedroht. Den großen Bier- oder Weinfässern nach zu urteilen, befinden wir uns in einem Schankbetrieb oder Weingut, doch da es im ganzen Trailer eine Menge Fässer zu bestaunen gibt, lässt sich der genaue Ort nicht festsetzen. Doch was feststeht: Humphry wird seine Komfortzone – sein Turm(?)zimmer – wohl mehrmals verlassen und ist uns ja vielleicht sogar ein Sidekick, neben seiner Tätigkeit als (möglicher) Ausbilder, sein.
 

Als die Musik theatralisch anschwillt, nimmt uns Humphry mit in seine Vergangenheit.

Er erzählt, dass er einst eine Heldin kannte, die er in den exklusivsten Klub – vermutlich die Heldengilde – Albion´s einführte, als diese nichts und niemanden mehr hatte. Er verstand es, sie zu fördern, gab ihr Zeit zu wachsen und sah dabei auch über ihren jugendlichen Eigensinn hinweg. Sie hatte alles: Die Fähigkeiten, das Talent, die Kraft...

Während Humphry die Worte spricht, sehen wir Lily in Aktion. Und was für uns in dem Moment klar zu sein scheint: Humphry meint unsere Heldin. Doch hören wir genau hin fällt uns auf, das er in der Vergangenheitsform von ihr spricht. Ein merkwürdiger Ansatz, könnte man nun entgegnen, aber auch ein Dramaturgischer, liegt der Sinn und Zweck des Trailers doch in der Unterhaltung, noch bevor es um die Vermittlung von Informationen geht.
 

So werden wir dann auch bestens unterhalten: Lily befindet sich – abermals – im Wald, vor ihr ein großer Baum, behangen mit allerlei Krügen. Was wie das Werk eines Insektenfreunds - Bienen wären naheliegend - anmutet, könnte aber auch eine Falle sein – eine Bienenfalle? -, die unachtsame Wanderer geradewegs ins Verderben führt. Möglicherweise hat aber auch nur jemand seinen Fusel (Alkohol) an den Baum gehangen und in den Wipfeln befindet sich ein Baumhaus, auf welches Lily wissentlich zusteuert.

 

Der Besuch ist auf jeden Fall erst mal nur von kurzer Dauer – schon rennt unsere Heldin den Pfad entlang, der sie geradewegs Richtung Bowerstone führt. Man beachte, wie sich das Schloss majestätisch im Hintergrund abzeichnet; Vögel sausen durch die Luft, und das Gras wiegt sich sanft im Wind. Nur wenige Schritte sind es bis zu einem Haus, dessen Reetdach hinter der nächsten Biegung vorsichtig hervorlugt. Es wirkt, als würde die Szenerie einem Märchenbuch entsprungen sein.
 

Und dann befinden wir uns in einer großen Halle. Im Vordergrund erblicken wir Lily in Gegenwart von Humphry. Dieser begrüßt unsere (angehende) Heldin in seinem Zuhause: der Heldengilde.

Bis zur Decke sind es ungezählte Meter, gehalten wird diese von mehreren kunstvoll gehauenen Steinsäulen, die marmornes Blätterwerk und dekorative Linien am unteren Ende miteinander verbinden; den Boden ziert das Gildensiegel, und Humphry´s Kaminzimmer kann nicht weit sein.

Eine Steintreppe führt zu einer riesigen Statue: Humphry in Rüstung, wie er seinen Streitkolben in die Höhe reckt. Beschienen wird die Statue vom hereinfallenden Sonnenlicht, welches an genau dieser Stelle am konzentriertesten erscheint.

Humphry hat definitiv Blut geleckt, was allein schon das tragen seiner prächtigen und für ihn so geschichtsträchtigen Rüstung zeigt. Zuvor – oder danach, je nach dem, wie man die Kaminszene zeitlich einsetzt – trug bzw. trägt er eines seiner Alltagsgewandungen. Was fehlt, ist sein roter Mantel, den der junge, Porträt stehende Humphry, einst trug. Was wohl aus diesem geworden ist?

Eines weiß unser Rentner in spe jedoch auch ohne Mantel: Wie man eine potenzielle Heldin ködert! Er überreicht Lily ein Gildenschwert – und tatsächlich ist dies das Schwert, welches unsere Heldin in allen bisherigen Trailern trug. Es scheint sich bei der Waffe entweder um ein Anfängerschwert zu handeln, oder um eine der, hoffentlich wieder vorhandenen legendären Waffen. Oder es dient ausschließlich als Vorführschwert für die Trailer, um, mit dem verarbeiteten Gildenlogo als Wiedererkennungssymbol, ein bekanntes Element zu schaffen.
 

Kaum, dass Lily das Schwert an sich genommen hat, bricht im Video auch schon das Chaos aus. Die Bewohner Bowerstone´s sind in Panik geraten, hat sich doch ein feindlicher Troll in die Stadt verirrt. Und was für ein Prachtexemplar wir dort zu sehen bekommen. Holz und Steine bieten eine gelungene Symbiose; der Körper: ein Dickicht aus Wurzeln, die alles zusammenhalten. Erinnerungswürdig wird wohl nicht nur der Kampf unser Heldin mit dem Troll. Erinnerungen werden bei langjährigen Fable-Fans zweifelsfrei hervorgerufen, handelt es sich bei dem Troll doch aller Wahrscheinlichkeit nach um einen der am schwersten zu besiegenden Trolle in Fable: einem Sumpftroll. (In der Galerie seht ihr einen seiner Verwandten – den ihr übrigens immer dann seht, wenn ihr auf der Xbox Fable 2 startet!)

Mit Trollen ist per se schon nicht zu spaßen, aber unser böser Sumpftroll lauerte unserem Helden einst in Wraithmarsh auf und entpuppte sich wahrlich als hart zu knackender Endboss.

Die Ähnlichkeit zwischen Wraithmarsh-Troll und Bowerstone-Troll ist aber auch frappierend: Vom monströsen, massigen Körper, über die gelb leuchtenden, geradezu magisch-aufgeladenen Augen, bis zum Baum, der mitsamt Wurzeln auf dem Haupt des Riesen thront, - alles schreit nach: Hier ist er wieder. Playground Games hat sich offenbar vom Sumpftroll inspirieren lassen. Eine fablehafte (!) Reminiszenz, wie man sie hoffentlich häufiger erlebt.

Ein kleiner Lore-Fakt noch an dieser Stelle: Wraithmarsh war einst Oakvale, das Zuhause unseres originalen Fable-Helden – und das von Theresa, seiner Schwester.

Der nachfolgende Kampf gegen den Troll wird dann nur angedeutet. Geschickt weicht Lily einem nach ihr geworfenen Karren aus, bevor es ans eingemachte geht. Lily greift dem Troll ins holzige Maul und zieht einen schleimigen, viel zu groß geratenen Wurm daraus hervor – der Todesstoß, oder vielmehr, der Todeszug für den Troll. Das Leuchten seiner Augen erlischt und er sackt bewegungslos in sich zusammen. Kein Schwert, kein Pfeil, und auch keine Magie, sind es, die wieder Ruhe in Bowerstone einkehren lassen. Am Ende ist alles Handarbeit!
 

Troll: Check! Balverine: Check! Was jetzt noch fehlt, sind die kleinen, fiesen Wesen, die ein Fable erst zu einem Fable machen: Hobbs! Und als hätte man uns erhört, tauchen besagte Hobbs auch tatsächlich auf. Drei von ihnen stellen sich Lily nach Sonnenuntergang im Wald in den Weg. Zwei Fehler begehen die Hobbs dabei: 1. Sie stellen sich in einer recht kleinen Gruppe einer Heldin entgegen! Und 2. Sie stellen sich einer Heldin entgegen! Natürlich gewinnt: die Heldin. Ein Zauber wird gewirkt, der die Hobbs in die Lüfte wirft – den Rest besorgt sogleich Pfeil und Bogen. Während den fiesen Drei daraufhin nichts mehr einfällt, fällt dem Betrachter der Szene auf, wie geschmeidig der Wechsel von Zauberwirken zu Fernkampf vonstatten geht. Das wirkt schon sehr rund und lässt auf spannende, aber vor allen auch, unterhaltsame Auseinandersetzungen schließen.
 

Cool schaut dann auch der nächste Trailer-Kampf aus: Lily erwehrt sich eines Banditen, der sich scheinbar dachte: Eins gegen eins – dass katapultiert mich geradewegs in die Riege der Helden. Doch das einzige was sich hier irgendwohin katapultiert, ist der Körper des Banditen, und zwar aus dem Bild. Lily zeigt uns etwas, das ausschaut wie ein Finisher. Eine ähnliche Aktion hatten wir bereits im letzten Jahr gesehen, dieses Mal bewirkt der kleine Beinstupser, dass der Bandit Lily wehrlos ausgeliefert ist, als diese ihr Schwert an der Klinge packt, sich gekonnt im Kreis dreht und den Griff des Schwerts gegen den Kopf des Banditen hämmert. Autsch!

Doch was ist das: Unser Angreifer war nicht allein. Ein weiterer Bandit hat sich oberhalb eines Felsvorsprungs verschanzt und greift uns mit einer Armbrust an. Ein Bauer hätte jetzt einen Pfeil im Bauch, aber doch nicht unsere Heldin. Die greift abermals in die Trickkiste, fängt das Geschoss im Flug, und sendet es umgehend, mit freundlichen Gildengrüßen, an den Absender zurück. Und wir sind hin und weg und fragen uns erstaunt: Wie macht die das bloß?
 

Jetzt kehrt aber dann doch wieder etwas Ruhe in den Alltag ein. Humphry, in seinem Sessel sitzend, spricht die Worte „...sie war anders..., erschreckend anders.“ Plötzlich schlägt seine Stimmung um; sein Tonfall wird schwerfälliger, er selbst wirkt von Melancholie heimgesucht. Wo er bisher nur lobend von der Heldin gesprochen hat, bedienen seine letzten Worte nun das Negativ: „Also ja, ich kannte einst diese Frau,... die eine Menge falsche Entscheidungen getroffen hat“.

 

Jetzt haben wir unsere Lily über zwei Trailer lang ins Herz geschlossen, haben ihr über die Schulter geschaut, sie auf ihrer durch und durch spannend choreografierten Reise begleitet und haben jede Sekunde davon genossen und mitgefiebert. Jeder Schritt in dieser Welt, jede Konversation, jeder besiegte Gegner, war ein Sieg für Fable und das Franchise.

Und dann das: Humphry macht aus der potenziellen Denkmal-Heldin eine Hättest-du-mal-keine-Scheiße-gebaut-Heldin.

Es scheint so: Die Beziehung zwischen Lily und Humphry bekam im Laufe der Zeit Risse, da Lily scheinbar doch nicht gewillt war, als die Gutemine von Bowerstone in die Chroniken Einzug zu halten. Ihre „Entscheidungen“ bedienten wohl den dunklen Pfad und führten zu einem Bruch mit ihrem Mentor. Das so harmonische Verhältnis ward zerrüttet und man nahm Abstand voneinander.

Schwere Kost, wahrhaftig!

 

Doch der Fable-Trailer hat noch einen Pfeil im Köcher, ja, man kann sagen, die Ehrenrettung folgt auf dem Fuß: „Humphry“, spricht eine Stimme. Und da steht sie, wahrhaftig: Lily, die Gute, die Holde. Unsere Heldin! Sie ist zurück! Und Lily sprach´s: „Sie ist zurück!“.

 

Der Kopf raucht nun doch schon gewaltig. Was soll uns das alles sagen? Welche Lehren sollen wir daraus ziehen? Liegt es an den vielen Schlachten, mitsamt möglichen Schlägen gegen den Kopf, dass Humphry von einem lange zurückliegenden Kapitel seines Lebens spricht, obwohl die Frau, auf der sich das alles bezieht, just in genau diesem Moment an seiner Seite weilt - scheinbar im beschriebenen Alter und guter Dinge!? Hat das viele Bier dafür gesorgt, dass Lily für Humphry nur mehr eine ferne Erinnerung ist, obwohl sie doch direkt hinter diesem steht?
 

Nein, natürlich ist dem nicht so. Humphry scheint noch alle Tassen im Schrank beisammen zu haben. Und auch Lily strahlt – nennen wir es - Normalität aus. Ihre Worte „Sie ist zurück!“ beziehen sich nämlich – wie uns natürlich sofort klar wird - auf eine andere Person. Nämlich die Person, von der uns Humphry die ganze Zeit vorgeschwärmt hat; die einstige Bekanntschaft, mit Talent und Können, die mega viel Potenzial geschwitzt, aber dann doch irgendwann den dunklen Absprung gewagt hat.

Als der Fable-Schriftzug eingeblendet wird, bleibt uns kurz Zeit, tief durchzuatmen, bevor wir dann doch noch einen kurzen Blick auf die sprichwörtliche Kirsche auf der Sahnetorte werfen dürfen: unsere Fable-Antagonistin.

 

Humphry und Lily stapfen durch den Wald und begegnen dort einer ehemaligen Heldin. In den Videountertiteln wird diese Heldin bereits als Rivalin aufgeführt. Und Lily´s Reaktion deutet auch genau das an: Sie möchte zur Waffe greifen, doch Humphry bedeutet ihr, das Schwert stecken zu lassen. Mit grimmigen Blick erfährt sie sodann, dass die Ehemalige „diesen Ort reparieren möchte. Und niemand wird sie davon abhalten können.“

Das Drama findet mit diesen mystischen Bildern einen gelungenen Ausklang. Es gibt uns dabei noch einige Impressionen mit auf den Weg und schafft Raum zum Spekulieren.

Die Dame mit der unheilvollen Agenda verfügt offenkundig über magisches Talent. Ihr Zauberstab kann als klares Indiz gewertet werden; von ihr selbst scheint dazu noch eine magische Kraft, zu sehen an der wabernden Aura, auszugehen. Fingerlose Lederhandschuh und ein roter Umhang, wie ihn Magier durchaus zu tragen pflegen, komplettieren das Bild.


 Aber Moment mal, haben wir die nicht schon einmal irgendwo gesehen?

Tatsächlich taucht unsere Rivalin in der ersten Einstellung des Trailers bereits einmal auf. Nur ist sie da noch ziemlich flach geraten, da gezeichnet, und noch dazu ausdruckslos. Ihr vom Gesicht befreites Porträt lehnt an einem Fass im Kaminzimmer der Gildenhalle. Dabei scheint es so, als habe jemand das Gemälde vorsätzlich beschädigt – vermutlich als Reaktion auf einen Wutausbruch oder dergleichen. Es ist aber auch ein dramaturgischer Kniff, soll doch niemand die Person auf den Gemälde zu diesem Zeitpunkt identifizieren können. Doch eines scheint sicher zu sein: Sie ist es!

 

Irgendetwas muss im Laufe der gemeinsamen Reise passiert sein, dass die Beziehung zwischen Humphry und der Lady in Red sprichwörtlich in die Binsen gegangen ist. Wie oben bereits erwähnt, hat dies wohl mit einer Zuwendung zur dunklen Seite zu tun, der sich unsere mysteriösen Dame - wie einst ein junger Padawan in einer weit entfernten Galaxie – zugehörig fühlt.

Ob sich die Geschichte nun mit unser Lily wiederholt, dass wird sich erst noch zeigen müssen. Doch ein spannender Aufhänger für die Handlung ist zumindest schon einmal geschaffen. Die Brotkrumen sind gelegt, und wenn alles klappt, dürfen wir 2025 (Update: 2026) ins schon so heiß erwartete Abenteuer starten.

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